Sie gehören zu den Menschen,
die Besucher unserer Stadt willkommen heißen. Stellvertretend für alle, die dafür sorgen, dass sich die zahlreichen Gäste hier wohlfühlen, stellen wir vier Menschen vor, die als Bayreuth-Repräsentanten für einen informativen, erlebnisreichen und
entspannten Aufenthalt sorgen. AB
Kristin Nürnberger
Keine Führung ohne den Opernhaus-Effekt
Kristin Nürnbergers Lieblingsplatz im Markgräflichen Opernhaus ist der dritte Rang. „Von dort hat man einen wunderbaren Überblick, darf aber keine Höhenangst haben“, sagt die Kastellanin des UNESCO-Welterbes. Bei Sonderführungen bringt sie ihre Gäste noch höher hinauf: in den vierten oder „Blindrang“, eine Art Geheimplatz mit acht Fensterchen. Dadurch konnten die „Hofschranzen“ wie etwa Dienstmägde einen Blick auf das Geschehen werfen. Im Museum ist das Lieblingsexponat der 46-Jährigen die nachgebaute Bühne. „Ich finde sie spektakulär, denn an ihr kann man sehr gut nachvollziehen, wie das mit der Bühnentechnik im 18. Jahrhundert funktioniert hat.“ Kristin Nürnberger mag ihre Arbeit zwischen Organisation und Gästekontakt, zwischen Wilhelmines Welt und moderner Technik. Vor allem mag die gebürtige Thüringerin den Opernhaus-Effekt: „Ausnahmslos alle sind zutiefst beeindruckt und sagen immer wieder: ‚Wow, wie genial ist dieses Haus.‘“
Siegfried Jantsch
Bierkultur mit dem Ur-Bayreuther
Wenn Siegfried Jantsch vor das historische Brauereigebäude von Maisel & Friends tritt, um die Gäste seines historisch-kulinarischen Stadtrundgangs zu begrüßen („Ich bin der Sigi“), trägt er Leinenhemd, Lederschürze und Schlappmütze. So wie die Bierkutscher, die das Bier früher den Wirtshäusern lieferten. Siegfried Jantsch schlüpft für 90 Minuten in eine Rolle, bleibt aber authentischer Bayreuther: bärbeißig, aber lustig, schlagfertig und von tief verwurzelter Gelassenheit. „Ich bring euch die zwei großen Trinker Bayreuths näher: Richard Wagner und Jean Paul“, fränkelt er und haut eine Anekdote nach der anderen raus. „Bayreuth wird unterschätzt“, meint der ehemalige Finanzbuchhalter und betrachtet es als seine Aufgabe, das zu ändern. Wenn ihm die Gäste zum Abschied auf die Schulter klopfen und sagen: „Das hab ich nicht erwartet“, freut er sich, weil er es mal wieder geschafft hat. Aber eher nach innen. Er ist ja Ur-Bayreuther.
Tanu Hertel
auf den Spuren der vier großen Bayreuther
Tanu Hertel und die „Großen Vier“ aus Bayreuth haben etwas gemeinsam: Wie Wilhelmine, Richard Wagner, Jean Paul und Franz Liszt ist die Stadtführerin (eine von 100) nicht hier aufgewachsen. Ebenso wie die Männer – lassen wir Wilhelmine beiseite – hat die gebürtige Hamburgerin ihr Herz an die Stadt verloren. „Meine Gäste spüren das und vielleicht fliegt ja ein Funke auf sie über“, meint die 51-Jährige, für die jede Führung durch das „historische Bayreuth“ wie eine Liebeserklärung an die Stadt ist. Die „Großen Vier“ stehen im Mittelpunkt ihrer Spaziergänge. Tanu legt keinen großen Wert auf Jahreszahlen, erzählt lieber an Original-Schauplätzen spannende Ereignisse. „Mein Lieblingsplatz und die erste Station ist das Mariengärtlein“, verrät Tanu Hertel einen Geheimtipp. Auf Augenhöhe mit dem Markgräflichen Opernhaus plaudert sie über die Hochzeit von Wilhelmines Tochter oder die enge Beziehung zwischen Synagoge und Opernhaus. Ganz am Ende testet sie auf charmante Weise, was hängengeblieben ist, und resümiert: „Alle haben gelernt, dass Richard Wagner nur einer der ‚Großen Vier‘ ist.“
Bernadette Fudalla
Arbeitsplatz Tourist-Info: Bayreuth-Insiderin mit Charme
Bernadette Fudalla begrüßt jeden Gast der Tourist-Information am Canale Grande mit herzlichem Lächeln. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sind erste Anlaufstelle für Hunderte Gäste täglich – sind Tippgeberin, vermitteln Führungen in Stadt und Festspielhaus, verkaufen Souvenirs des Bayreuth-Shops, lösen Probleme. Die häufigste Frage? „Wo gibt es Toiletten?“, lacht die 62-Jährige, die 1983 zum Studium kam und blieb. Die Mutter von drei Kindern schwärmt von Lebensqualität, kurzen Wegen und grünen Ecken. Im Ruhestand möchte sie ein Büchlein schreiben über Erlebnisse in der Tourist-Info. „Einmal wollte eine Frau wissen, wo sie ihr Wohnmobil geparkt hat“, erzählt Bernadette Fudalla. Der Buchtitel wird „Emirat Bayreuth“ sein – nach diesem wird sie manchmal gefragt. „Heute weiß ich, dass die Eremitage gemeint ist“, lacht die Bayreuth-Expertin. Mit gezielten Fragen hat sie auch den Standort des Wohnmobils ermittelt: in der Grünewaldstraße.