Herr Ebersberger, die Universität Bayreuth feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Würden Sie mit mir übereinstimmen, dass die Ansiedlung der Uni im Jahre 1975 die mit Abstand bedeutendste Investition zumindest der Nachkriegszeit war?
Unbedingt! Wenn man bedenkt, dass wir jetzt rund 13.000 Studierende an der Uni haben und, wenn man richtig rechnet, über 3.000 Beschäftigte, die auf den Bereich Universität entfallen, sind das für die Region schon enorm wichtige Zahlen. Zudem hoffen wir ja und tun auch viel dafür, dass viele Studierende nach dem Studium in der Region verbleiben. Allein das zeigt, dass diese Entscheidung eminent wichtig war und ist für ganz Oberfranken.
Sie sind ja hier geboren und aufgewachsen. Gab es bei diesem Projekt eigentlich auch Gegenwind aus der Stadt heraus? Oder waren alle zu allen Zeiten begeistert vom Gedanken der Universitätsstadt Bayreuth?
Nein, dieses Vorhaben war zu keinem Zeitpunkt umstritten.
Hatten Sie dann auch gleich den Plan: Ich will unbedingt in Bayreuth studieren?
Ich habe natürlich darüber nachgedacht und am Ende ist aus der Idee Wirklichkeit geworden.
Würden Sie aus heutiger Sicht sagen, dass die Ansiedlung der Uni die Stadt verändert hat?
Und wie! Bayreuth war ja früher eine sog. „Beamtenstadt“. Mit der Uni kamen viele junge Menschen nach Bayreuth; und die brachten ganz andere Wünsche und Anliegen in die Stadt – eine viel stärkere Nachfrage nach Kultur- und Freizeitangeboten etwa oder nach Kneipen. Und ja: Diese Angebote waren ja nicht nur gut für die Studenten, sondern für alle Bayreutherinnen und Bayreuther.
Wenn die Uni Bayreuth verändert hat, hat dann das Studium auch Sie selbst verändert? Wie war denn Ihre Studienzeit?
Ich habe mich tatsächlich stark engagiert während meines Studiums. 1979 wurde ich Studentenvertreter, war zwei Mal Konventsvorsitzender, Sprecherrat und im Senat der Uni. Mein Wunsch war, möglichst Bayreuther Interessen mit in den Uni-Alltag einzubringen – aber auch Uni-Wünsche in die Stadtgesellschaft zu tragen.
Wie war es denn, in einer neu gegründeten Uni zu studieren? Ideale Bedingungen?
Als ich angefangen habe, waren wir nach meiner Erinnerung vielleicht 1.800 Studierende, gegen Ende des Studiums dann rund 5.000 bis 6.000. Das war eine Zeit des rasanten Wachstums. Nach und nach sind neue Fakultäten hinzugekommen und junge Professorinnen und Professoren, die Bayreuth gutgetan und die Uni international aufgestellt haben.
Allerdings hat es doch viele Jahre gedauert, bis Stadt und Uni wirklich zusammengewachsen sind. War der Campus am Stadtrand den Bayreuthern anfänglich noch ein Fremdkörper?
So habe ich das nicht empfunden. Aber es brauchte schon seine Zeit, bis sich Stadt und Uni aneinander gewöhnt hatten. Es gab ja durchaus eine größere Zahl von Studierenden, die sich Bayreuth nicht ausgesucht hatten, sondern von der ZVS nach Bayreuth geschickt worden waren. Und einige hatten anfänglich auch gesagt, dass sie nach einem oder zwei Semestern wieder wegziehen würden – manche sind noch heute in Bayreuth.
Bayreuth war also nicht von vornherein eine beliebte Uni-Stadt?
Na ja, die Angebote für Studierende waren noch nicht wirklich etabliert – vor allem entsprach das Freizeitangebot nicht dem Wunsch der Studentinnen und Studenten. Aber es ist uns nach und nach gelungen, das Angebot den Wünschen anzupassen und auch mehr Studentenfeten zu veranstalten.
Haben sich die Freundschaften von damals bis heute gehalten?
Der Fluch der Politik ist, dass es häufig bei eher oberflächlichen Bekanntschaften bleibt. Aber einige Freundschaften sind in der Tat geblieben.
Wir hatten zuvor über Zahlen gesprochen – und positive Auswirkungen der Uni-Ansiedlung auf die Stadt Bayreuth. Es muss doch wie ein Sechser im Lotto sein, wenn man sich vor Augen hält, wie viele Arbeitsplätze die Uni nach Bayreuth gebracht hat und welche Investitionen sie ausgelöst hat.
Unternehmen wie Tennet, Neue Materialien, die Fraunhofer Institute und viele andere wären wohl nicht hierhergekommen, wenn es die Uni nicht gegeben hätte. Das stimmt uns positiv, was die Zukunft angeht. Wir haben mit der Uni ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Ich gehe auch davon aus, dass das Regionale Gründer- und Innovationszentrum, das wir angedockt an den Neubau des Instituts für Entrepreneurship und Innovation errichten wollen, uns helfen wird, Unternehmensneugründungen am Standort Bayreuth und im Landkreis optimale Startvoraussetzungen zu bieten.
Das Gute ist ja auch, dass die Uni nicht nur ein Wirtschaftsfaktor ist, sondern auch ein Standortfaktor, der gut für weite Teile der Bevölkerung ist …
Stimmt! Der Ökologisch Botanische Garten etwa lockt mit seinen tollen Angeboten und einer großen Freizeitqualität Menschen aus Stadt und Land in großer Zahl an. Das freut mich als Vorsitzender des Freundeskreises ÖBG natürlich besonders. Und wenn man sich dann vor Augen hält, dass wir aktuell auch den Bayreuther Süden sehr nachhaltig neu gestalten mit neuen Teichen, neuen Baumpflanzungen und Wegeverbindungen bis zum Umwelt- und Informationszentrum Lindenhof und weiter bis zum Zapf-Areal mit einem renaturierten Tappert, dann hat dieses Areal schon eine enorme Bedeutung für alle Bürgerinnen und Bürger.
Gibt es eigentlich Zahlen, die belegen würden, welche positiven Auswirkungen wirtschaftlicher Art die Uni auf die Stadt hat?
Ich kenne zumindest keine. Es ist auch schwierig abzuschätzen, worauf beispielsweise die positiven Tourismuszahlen beruhen. Ist da ausschlaggebend das Markgräfliche Opernhaus, das jetzt UNESCO-Welterbe ist? Oder sind es die Kongresse, die die Uni hier ausrichtet? Es wäre vermutlich sehr aufwendig, wenn man das alles detailliert untersuchen wollte. Und wir wollen uns auch nicht auf Kaffeesatzleserei stützen. Aber Fakt ist: Wir wissen sehr gut, was wir an der Universität haben.
Der Lieblingsort des Bayreuther Oberbürgermeisters Thomas Ebersberger auf dem Universitätscampus? Der Ökologisch-Botanische Garten.
Gibt es eigentlich Zahlen, die belegen würden, welche positiven Auswirkungen wirtschaftlicher Art die Uni auf die Stadt hat?
Ich kenne zumindest keine. Es ist auch schwierig abzuschätzen, worauf beispielsweise die positiven Tourismuszahlen beruhen. Ist da ausschlaggebend das Markgräfliche Opernhaus, das jetzt UNESCO-Welterbe ist? Oder sind es die Kongresse, die die Uni hier ausrichtet? Es wäre vermutlich sehr aufwendig, wenn man das alles detailliert untersuchen wollte. Und wir wollen uns auch nicht auf Kaffeesatzleserei stützen. Aber Fakt ist: Wir wissen sehr gut, was wir an der Universität haben.
Wie würden Sie denn das Verhältnis Stadt/Universität Stand heute bezeichnen?
Wir sind längst Uni-Stadt. Und das Verhältnis zur Uni-Leitung ist hervorragend. Man kennt sich bestens, es gibt in der Regel enge Abstimmung in allen wichtigen Fragen. Und wir sind auch bestrebt, wechselseitig füreinander das Beste herauszuholen. Das Netzwerk steht – und das hilft beiden Seiten. Bayreuth ist für die Zukunft bestens aufgestellt.
Die Uni hat seit Kurzem eine siebte Fakultät – aber nicht in Bayreuth, sondern in Kulmbach. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Sehr positiv, weil alle davon profitieren. Das ist gut für die Region, den Einzelhandel, die Wirtschaft.
Es fällt auf, das sich zunehmend auch Professorinnen und Professoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Studierende in die Stadtgesellschaft einbringen. Weil sie sich dort, wo sie wohnen, auch engagieren wollen.
Das begrüße ich außerordentlich. Jedes ehrenamtliche Engagement ist wichtig und wertvoll. Wir freuen uns, wenn wir die Expertise der Universität nutzen können. Und wir freuen uns, dass so viele junge Leute sich in unseren Sportvereinen engagieren.
Ist Bayreuth heute die weltoffene Stadt, die Sie sich wünschen?
Ich arbeite jedenfalls ganz massiv dafür, dass sie das ist. Und wenn es dann tatsächlich mal zu Problemen in der Sache kommt, dann schließen wir uns kurz, tauschen uns aus und versuchen, die Herausforderungen gemeinsam zu lösen.
Gibt es vom Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth einen Wunsch in Richtung Universität und die nächsten 50 Jahre?
Möge sie weiter wachsen, blühen und gedeihen. Denn das schiebt die positive Entwicklung der Stadt an.
GDM